Freitag, 12. Juli 2019
le jeu qui te casse la tête
Ein seltsames Spiel ist es, das die Geister aus längst vergangenen Tagen erscheinen lässt. Als ob sie sich an den Schmerzen laben, ohne die sie nicht existieren können. Wenn sie erscheinen, ist es, als ob sie nie fort gewesen wären. Sie lieben es zu spielen. Wild jagen sie durch mich hindurch, zerwühlen Haar und Herz, schreien, jammern oder flüstern Namen. Ich will sie verscheuchen, schlage um mich, renne, taumle, falle, liege schließlich regungslos am Grund, während sie um mich herumtanzen, höhnisch lachend. Fang uns doch!
Ich brauche eine Weile, bis ich sie erkenne. Erst wenn ich ihre Namen rufe, verstummen sie und lösen sich schließlich im Dunst auf. Es ist ein seltsames Spiel, das sie mit mir spielen. Denn eigentlich spiele ich es ganz alleine.

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Donnerstag, 11. Juli 2019
Spuren
Wenn die Sehnsucht besonders stark wird, kann ich in ihr ertrinken. Oder mich an einen anderen Ort tragen lassen. Ein Ort, an den ich ausgespült werde, die schlimmen Gefühle abschüttle, die Erinnerung trocknend, ganz langsam mit den Füßen tastend mich vorwärts bewege, die Augen auf den Boden gerichtet, manchmal etwas weiter vor den Zehen, den Horizont verschwommen erahnend, nur nicht zurück. Was hinten ist, bleibt ohnehin als Abdruck im Sand und im Kopf. Bis zur nächsten Welle, die den Boden glättet, ihn für neue Eindrücke bereitet. Nichts bleibt, derselbe Fuß macht neue Spuren. Und jede Spur hat einen anderen Namen.

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