Donnerstag, 11. Juli 2019
Spuren
Wenn die Sehnsucht besonders stark wird, kann ich in ihr ertrinken. Oder mich an einen anderen Ort tragen lassen. Ein Ort, an den ich ausgespült werde, die schlimmen Gefühle abschüttle, die Erinnerung trocknend, ganz langsam mit den Füßen tastend mich vorwärts bewege, die Augen auf den Boden gerichtet, manchmal etwas weiter vor den Zehen, den Horizont verschwommen erahnend, nur nicht zurück. Was hinten ist, bleibt ohnehin als Abdruck im Sand und im Kopf. Bis zur nächsten Welle, die den Boden glättet, ihn für neue Eindrücke bereitet. Nichts bleibt, derselbe Fuß macht neue Spuren. Und jede Spur hat einen anderen Namen.

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Mittwoch, 29. Mai 2019
Tourbillon
Ein kleines Wort von Dir oder eine unbedachte Geste lösen einen Orkan in mir aus. Absichtslos öffnest Du das Vakuum meiner gespeicherten Gefühle. Es reißt mich in eine vierte Dimension und schmettert mich mit Wucht zurück auf mich selbst. Nur im Auge ist alles still. Ich konzentriere mich auf das, was mich sehen lässt. Das Bewusstsein meiner Gangungenauigkeit. Damit ich uns nicht zerstörerisch durch das Vermächtnis meiner Vergangenheit wirble.

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Mittwoch, 23. Oktober 2013
Lichtjahre
Was du liebst, das lass gehen, sagt ein Sprichwort. Wenn es zurückkommt ist es dein, wenn nicht, nie dein gewesen. Ich habe dich gehen lassen. Zwischen uns liegen Planeten und du wirst den weiten Weg nicht zurücklegen. Und wenn ich nachts in die Sterne schaue, sehe ich dein Zuhause.

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